Ein alter Brauch ist schriftlich belegt
Während die Stiftung des Hammels vor allem aus der Überlieferung bekannt ist, lässt sich ein anderer Onolzheimer Brauch anhand alter Rechnungen nachvollziehen: die Verteilung von Matthiaswecken. In den Heiligenpflegerechnungen der Jahre 1656 bis 1716 wird diese Stiftung genannt. Sie wird auf Matthias Horn zurückgeführt. Die Rechnungen bezeichnen ihn als Pfarrer; tatsächlich war Matthias Horn Bürger in Crailsheim. Sein Sohn Heinrich war von 1555 bis 1592, sein Enkel Johannes anschließend bis 1599 Pfarrer in Onolzheim.
Wecken für Arme und Kinder
Die Wecken wurden ursprünglich am Matthiastag, dem 24. Februar, in der Kirche an Arme und Kinder verteilt. Für ihre Beschaffung wurde später Geld aus den Zinsen eines von der Heiligenpflege ausgeliehenen Kapitals verwendet. Damit ist dieser Brauch nicht nur als Erzählung überliefert, sondern in historischen Abrechnungen greifbar. Er zeigt, wie eng kirchliches Leben, Fürsorge und örtliche Festtradition miteinander verbunden waren.
Warum der Termin in den September wanderte
Etwa ab 1755 wurde nicht mehr der Matthiastag im Februar, sondern der Matthäustag am 21. September als Tag der Austeilung genannt. Das dürfte mit der Verlegung des Kirchweihtages auf den Sonntag nach Matthäi zusammenhängen. In dieselbe Zeit fällt der Neubau des Kirchenschiffes im Jahr 1755. Aus einem ursprünglich im Winter begangenen Brauch rückten die Wecken damit zeitlich näher an die Kirchweih.
Von Matthiaswecken zu Kirchweihküchle?
In der zweiten Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts sprach man von Matthias- beziehungsweise Matthäuswecken. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde dieser Brauch offenbar aufgegeben. In früherer Zeit gehörte außerdem dazu, dass die „Blodzmaaden“, die Mädchen der historischen Trachtengruppe, insbesondere zur Freude der Kinder kostenlos Kirchweihküchle verteilten. Diese Verteilung findet heute nicht mehr statt, bleibt aber ein Teil der überlieferten Geschichte des Hammeltanzes.